ACHTSAMKEIT
Inhalt
Grundlagen
Achtsamkeit bezieht sich auf die Fähigkeit, die gegenwärtige Erfahrung bewusst und ohne Urteil wahrzunehmen. Es ist eine Haltung, die wir in den Alltag integrieren können. Sie kann uns dabei helfen, uns selbst und unsere Erfahrungen auf eine neue Art und Weise wahrzunehmen und uns bewusster und präsenter im Leben zu fühlen.
Das Konzept der Achtsamkeit hat seinen Ursprung in der buddhistischen Tradition. Nach dem Leitfaden zur Errichtung der Achtsamkeit („Satipatthana-Sutra“), die erste Lehrrede des Buddha, geht es um die Achtsamkeit auf den Körper, die Achtsamkeit auf die Gefühle und Empfindungen, die Achtsamkeit auf den Geist und die Achtsamkeit auf die Geistesobjekte.
Keiner kann immer achtsam sein. Und das ist auch nicht das Ziel. Routinemäßige Handlungen und Abläufe erleichtern unseren Alltag ungemein. Müssten wir auf das Gehen, Stehen, Zähneputzen u.a. unsere ganze Aufmerksamkeit lenken, könnten wir keinen weiteren Tätigkeiten unserer modernen Gesellschaft mehr nachgehen… Routinen geben uns Struktur und erhalten unsere Energiespeicher, da keine Energie für das Treffen von Entscheidungen aufgebracht werden muss.
Durch das Erleben achtsamer Momente können wir uns jedoch auf das Hier und Jetzt fokussieren. Dies führt nicht nur zur Entschleunigung und Entspannung. Auch im Miteinander, im Gespräch mit anderen, kann sich dieses positiv auswirken.
Achtsamkeit kann durch verschiedene Techniken, wie zum Beispiel Achtsamkeitsmeditation (englisch: mindfulness meditation) oder das gezielte Fokussieren der Aufmerksamkeit auf bestimmte Sinneseindrücke (z.B. das Hören, Sehen oder auch das Atmen) geübt werden.
Der Weg zu mehr Achtsamkeit ist ein Prozess, in dessen Zuge die aufgeführten Prinzipien Wertneutralität, Anfängergeist, Geduld, Vertrauen, Akzeptanz, Nicht-Erzwingen, Loslassen, Liebe und Mitgefühl unterstützen bzw. umgesetzt werden.
Grundhaltungen
Wertneutralität: Dies beschreibt eine offene Haltung allem Neuen gegenüber. Es geht darum wahrzunehmen, dass du etwas in eine bestimmte Schublade gesteckt hast („Schubladendenken“ – gut, doch nicht endgültig). In dem Moment, wo du es merkst, entsteht eine Wahlmöglichkeit: Die bewusste Entscheidung es in der Schublade zu lassen oder dich für eine neue Betrachtung zu entschließen.
Anfängergeist: Jede Situation ist einzigartig. Jeder Moment ist neu, so routinemäßig er uns auch vorkommen mag. Den Apfel z.B. gibt es nur ein einziges mal. Das bedeutet, wir können die Situation frei gestalten, indem wir beispielsweise unsere Routinen verlassen und neue Lösungsmöglichkeiten für den einzigartigen Moment entwickeln.
Geduld: Prozesse brauchen Zeit! Durch das Anerkennen dieser Tatsache schaffen wir den Raum für Entwicklung. Die innere Haltung der Geduld ist ein stressfreier Zustand. Sie lässt uns mehr Details von der Welt mitbekommen und gibt uns gleichzeitig eine entspannte Gemütsverfassung.
Vertrauen: Körpersignale sind immer da. Und doch haben wir die Wahrnehmung der Regungen und Zeichen unseres Körpers häufig verloren. Das Vertrauen in den eigenen Körper und die Signale wieder zu erlangen, darum geht es bei diesem Prinzip der Achtsamkeit.
Akzeptanz: Ohne Akzeptanz gibt es keine Veränderung. Akzeptanz bedeutet, das, was ist, anzuerkennen. Du musst es dabei nicht gutheißen oder damit einverstanden sein, es geht darum die Fakten zu akzeptieren. Dann kann in der Folge auch Veränderung geschehen.
Nicht-Erzwingen: Die Fähigkeit, sich von aufkommenden Reizen zu lösen und nicht mehr auf alle Reize anzuspringen. Bei diesem Achtsamkeitsprinzip besteht die Übung darin, Eindrücke vorbeiziehen zu lassen, ohne an ihnen kleben zu bleiben.
Loslassen: Loslassen ist die praktische Übung, Erfahrungen/Gedanken sofort wieder ziehen zu lassen und so frei zu sein für neue Eindrücke des gegenwärtigen Moments. Bevor das Loslassen bewusst ausgeführt werden kann, muss es dir bewusst geworden sein, dass du etwas festhältst. Dieses bemerkst du beispielsweise an immer wiederkehrenden Gedanken (Gedankenkarussell).
Liebe und Mitgefühl: Diese Haltungen helfen uns dabei, freundlich und gelassen mit uns umzugehen. Denke daran: Deine Routinen haben sich auch nicht von jetzt auf gleich eingestellt und „Kein Meister ist je vom Himmel gefallen“.
Umsetzungstipps
Der Weg zu mehr Achtsamkeit ist ein Prozess. Er benötigt Zeit und Raum. Sei geduldig dir gegenüber und schenke dir Liebe und Mitgefühl. Dann wirst du Schritt für Schritt mehr achtsame Momente in deinem Alltag erleben.
- Wende dich direkt nach dem Aufwachen deinen Körpersignalen zu.
- Spüre in dich hinein. Ein Bodyscan kann dir dabei behilflich sein. (siehe folgender Blog-Beitrag)
- Halte mehrmals am Tag kurz inne.
- Stoppe kurz deine Aufgabe und spüre in dich hinein: Nimm deinen Körper, deine Gedanken und deine Gefühle wahr. Es geht hierbei erst einmal "nur" darum wahrzunehmen und zu akzeptieren, was ist.
- Putze achtsam deine Zähne.
- Jede Alltagshandlung kann zur Achtsamkeitspraxis genutzt werden. Führe die Handlung in dem Fall einmal ganz bewusst aus und konzentriere dich nur auf diese eine Aufgabe. Du wirst überrascht sein, welche Abläufe du beim Zähneputzen ganz automatisch durchführst, ohne darüber nachzudenken. Achte dabei auf all deine Sinne mit Sehen, riechen, schmecken und fühlen.